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Wenn Staubsauger laufen lernen


Interview mit Kevin Warwick, Professor der Kybernetik an der University of Reading. Er gehört zu den führenden Wissenschaftlern Englands und gilt als der führende Experte für Mini-Roboter.

Was ist "Kybernetik"? Wie würden sie das verkürzt erklären?

Warwick: Eine bestimmte Verbindung von Mensch und Technik. Das ganze System. Wie Roboter die Welt wahrnehmen und darauf reagieren, wenn sie eine bestimmte Intelligenz haben. Aber nicht nur wie sie funktionieren, sondern auch wie sie mit Menschen interagieren und welchen Einfluss das auf uns hat, beziehungsweise haben wird.

Und wie würden Sie das Kindern erklären? Genauso?

Warwick: Ja, warum nicht! Kinder könnten damit etwas anfangen. Gerade im Bereich auf die mögliche Intelligenz der Maschinen, was möglich sein könnte und was nicht, sehen ältere Menschen den Computer in einer zu begrenzten Weise. Dagegen sind Kinder sehr viel offener und sehen sich an, ob Maschinen tatsächlich intelligent sein können.

Sind Roboter Ihr heimlicher Wunsch aus Kindheitstagen?

Warwick: Auf jeden Fall. Ich war schon immer von Robotern begeistert. Es ist sozusagen mein zum Beruf gemachtes Hobby. Ich sehe ja, was Roboter leisten können. Mein ganz persönliches Interesse konzentriert sich darauf, herauszufinden, wie Roboter und Maschinen intelligent sein können und wie man diese Intelligenz mit menschlicher und tierischer Intelligenz vergleichen kann und wie sich das voneinander unterscheidet.

Warum müssen sie intelligent sein?

Warwick: Weil es möglich ist. Als Wissenschaftler versuche ich nur festzustellen, was möglich ist und was nicht.

Und was ist möglich?

Warwick: Es sind viele Maschinen auf dem Markt, die aufgrund ihrer Geschwindigkeit und Genauigkeit viele Entscheidungen treffen - oft eben nur in einer vorprogrammierten Art. In England gib es inzwischen Maschinen, ich glaube sie werden "real time financing" genannt, obwohl es weitaus mehr ist als das, die an der Börse eingesetzt werden und die bis zu einem gewissen Grad aus den Geschehnissen des Marktes lernen und sich anpassen. Dadurch treffen sie sehr viel präzisere Entscheidungen.

Und in den privaten Haushalten?

Warwick: Im häuslichen Bereich ist das vielleicht nicht so leicht ersichtlich. Kürzlich brachte Elektrolux einen Staubsauger auf den Markt, der von alleine durch das Haus geht und dort saugt. Ich glaube allerdings, dass man das noch nicht als lernen bezeichnen kann, der Staubsauger tut das, wozu er programmiert wurde und das ist es. Aber die Möglichkeiten des Lernens in einem bestimmten häuslichen Bereich sind durchaus gegeben, wie z.B. der Staubsauger sich in einer bestimmten Umgebung bewegen könnte. Immerhin wäre das möglich.

Sie meinen sauber machen?

Warwick: Ja. Zugegeben, das sind relativ einfache Dinge, die allerdings schon bald Einfluss auf das Leben der Menschen nehmen können.

Klingt nicht sehr überzeugend...

Warwick: Computer können in vielen verschiedenen Dimensionen denken, in 16-20 Dimensionen. Menschen denken in zwei-drei, wenn man Glück hat in vier. Das bedeutet, dass Computer hier einen enormen Vorteil haben. Wenn Computer also so etwas wie ein Fließband kontrollieren, berücksichtigen sie wie das Fließband laufen sollte und passen es so an, dass es profitabler arbeitet. Oder denken Sie an den militärischen Bereich. Hier gibt es eine Menge Beispiele, wie Roboter lernen und Entscheidungen treffen...

Was machen sie denn den ganzen Tag? Beobachten Sie Roboter wie sie Ihre Arbeit tun?

Warwick: (lacht herzlich) Das wäre schön. Ich arbeite mit Studenten an verschiedenen Zugängen zu Intelligenz. Wir forschen. Kürzlich haben wir uns mit "Belohnung und Strafe" in Zusammenhang mit dem Lernen von Robotern beschäftigt. Wenn wir Roboter darauf trainieren, etwas zu lernen, können wir, wenn etwas nicht gut lief, sie entweder bestrafen oder belohnen. Wie mit Kindern.

Na-na!

Warwick: Mit Robotern haben wir herausgefunden, dass man sie bei einfachen Aufgaben am besten zwei Drittel belohnen und ein Drittel strafen sollte. Wenn wir sie die ganze Zeit belohnen, dann kümmern sie sich bald nicht mehr darum. Wenn wir sie nur bestrafen, dann geben sie auf. Versuchen Sie, das auf Ihre Kinder zu übertragen. Zwei von drei Mal sollte man sie belohnen. Man kann vieles davon auf Menschen und Tiere übertragen. Natürlich nicht alles, und es ist wahrscheinlich auch nicht direkt übertragbar - aber ich weiß auch nicht, ob schon derartige Studien mit Menschen gemacht wurden. Bei Robotern ist das ganz einfach, die kann man abstellen und dann wieder von vorne anfangen.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie?

Warwick: Wir sind etwa 20. Forscher, Lehrende und ein ganze Reihe verschiedener Roboter. Wir haben 28 kleine Roboter die wir die "Sieben Zwerge Roboter" nennen, da es ursprünglich nur sieben von ihnen gab. Die können einfache Dinge lernen und miteinander kommunizieren. Sie können selber feststellen, wenn die Batterien schwächer werden und sich dann eine Ladestation suchen. Wir machen verschiedene Versuche mit denen, wir haben sie mit verschiedenen Sensoren ausgestattet, z.B. mit Hochfrequenzsensoren, Ultrasonicsensoren und Infrarotsignalen kommunizieren.

Wie gut können sie kommunizieren?

Warwick: Im Moment sind es nur ein paar einfache Worte, ein paar einfache Signale.

Könnte es sein, dass die Roboter ihre eigene Sprache entwickeln?

Warwick: Ich glaube schon, warum nicht? Wenn wir sie mit der Fähigkeit zu lernen ausstatten, können sie auch lernen zu verstehen, was andere Roboter sagen. Das könnte wichtig sein, denn wenn sie lernen eine eigene Sprache zu entwickeln, wissen wir ja nicht mehr, was sie zueinander sagen.

Was für Leute sind in Ihrem Team? Sind das alles Techniker und Programmierer?

Warwick: Vor allem Techniker, denn wenn man Roboter baut, braucht man doch vor allem technisches Verständnis, aber wir haben auch Mitarbeiter die psychologisches Interesse mitbringen. Eine unsere Mitarbeiterinnen beschäftigt sich mit dem Sozialverhalten unterhalb der Roboter.

Was machen denn die Roboter?

Warwick: Wir haben sechsbeinige Roboter, die das Laufen lernen, das ist interessant.

Klingt hochinteressant. Wer bezahlt all das? Lego?

Warwick: Nein, nein, nein! Ich bin als unabhängige Person hier. Hoffentlich zahlt Lego mir die Reisekosten, aber das wird es dann auch schon sein! Nein, alle möglichen Unternehmen bezahlen diese Forschung, und natürlich Forschungszentren in dem Vereinigten Königreich. Die britische Telecom sponsert eine ganze Menge der Untersuchungen die wir durchführen, aber vor allem verdienen wir wohl das Geld durch andere Projekte, die wir mit der Industrie durchführen. Das Geld, das wir dabei verdienen, können wir dann in die Forschung, die mehr Spaß macht, stecken.

Sie erwähnten vorhin das Militär. Werden Sie auch vom Militär finanziell unterstützt und wozu?

Warwick: Darüber darf ich keine Auskunft Geben.






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LAST UPDATE 14.05.2013